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Stolpersteine

Geschichte der jüdischen Gemeinden in Hamburg und Hamm

In Hamburg hatten sich bereits seit dem 16. Jahrhundert sephardische Juden, die vor der Inquisition aus Portugal geflüchtet waren, niedergelassen. Um 1640 kam eine große Gruppe Progromflüchtlinge aus Wilna, aschkenasische Juden, nach Hamburg und siedelten sich in der Neustadt in den Wallanlagen an. Die Hamburger Bürgerschaft stand der vermehrten Zuwanderung keineswegs mit Aufgeschlossenheit gegenüber. Besonders die mächtigen Vertreter der lutherischen Geistlichkeit und die Zünfte sperrten sich gegen den Zugzug von Andersgläubigen.

In Altona, unter dänischer Herrschaft, hatten sich bis zum 18. Jhd. viele Juden zum Schutz vor möglicher Vertreibung niedergelassen. Die Dänen verfolgten eine andere, wirtschaftspolitisch auch gegen Hamburg gerichtete, Politik. Sie hatten großzügig Schutzbriefe für Juden ausgestellt, um durch die Ansiedlungspolitik die Attraktivität Hamburgs zu mindern. 1 Wenn auch die in Hamburg ansässigen Juden mehr Abgaben zahlen mussten, war doch Hamburg wegen der vielen Möglichkeiten der Erwerbstätigkeit durch den Hafen auch für die aschkenasischen Juden aus Altona begehrt. Sie waren zwar in Hamburg geduldet, durften aber nicht durch Ausübung ihrer Religion auffallen.

1648 setzte die Bürgerschaft eine Vertreibung der aschkenasischen Juden durch, obwohl der Senat und St. Michaelis dagegen waren, denn die Juden brachten Geld in die Staatskasse. Um Hamburg zu betreten mussten sie einen Paß erwerben und vor Torschluss die Stadt verlassen.

Ausführlich schilderte im 16. Jhd. die Witwe Glickl von Hameln, eine jüdische Mutter von 12 Kindern, das Leben der Juden, zwischen Altona und Hamburg.

Aufsehen erregten 2 Morde an jüdischen Geldwechslern zwischen 1660 und 1684, über die die Glickl in ihren Aufzeichnungen berichtete. Die Nichte der Glickl von Hameln war eine der Witwen. Durch die Zeugenschaft einer Bekannten der Glickl von Hameln geriet der Sohn einer christlich-bürgerlichen Familie, die die angesehene Schiffergesellschaft, ein Wirtshaus unterhielt, unter Verdacht. Wie sich herausstellte waren er und seine Frau auch die Täter und damit Christen einen Juden ermordet haben sollten, galt als ungeheuerlicher Verdacht. Die Gefahr eines Progroms wegen dieses Verdachts der jüdischen Anklägerin durch die Menge war gross. Rebekka konnte jedoch die Schuld des habgierigen Ehepaars beweisen und so Gefahr von den Juden abwenden. 2

Als die Schweden Altona angriffen, suchten die Juden wieder Schutz in den Befestigungsanlagen Hamburgs. Die Zahlung eines Schutzgeldes an das Meldeamt verhalf später einigen Juden zu einem festen Rechtsstatus als Hamburger Einwohner. 3

jüdisches lichtfest chanukka - leuchterDie größere und wirtschaftlich einflußreichere Gruppe waren die sephardischen Juden, die hauptsächlich im Kirchspiel von St. Nicolai lebten. Zwischen beiden ethnischen Gruppen, Aschkenasen und Sepharden, bestand aufgrund andersartiger religiös-kultureller Riten eine Trennung. Auf diese Weise blieben Sprache und heimatliche Tradition erhalten. Die sephardischen Juden kannten den Handel schon aus ihrem Herkunftsland Portugal, verfügten dort auch über Geschäftskontakte und waren sehr geschäftstüchtig. Sie besassen bereits Geschäftserfahrungen und -tugenden, die in einer internationalen Hafenstadt gefragt waren. Weshalb einige es über die Jahrhunderte auch zu Macht, Reichtum und Ansehen in der Hansestadt gebracht haben.

Die ärmeren Ostjuden waren weniger gebildet, aber auch geschäftstüchtig, sie durften anfangs kein Handwerk erlernen und waren aus den Zünften ausgeschlossen. Daher haben sich dann einige z.B. auf den Geldverleih und Dienstleistungen spezialisiert. Sie sind auch über Jahrhunderte immer wieder aus Polen, Galizien zugewandert, haben im Hamburger-Hafen saisonal gearbeitet oder um sich Geld für die Auswanderung zu verdienen. Sie wurden als Billigarbeiter und Lohndrücker eingesetzt, weshalb auch seitens der Hafenarbeiter Vorurteile bestanden. 4

1806 wurde Hamburg durch die französischen Truppen Napoleons besetzt und stand von 1811-14 unter französischer Hoheit. Das französische Recht bot den Juden bereits damals die bürgerliche Gleichstellung beim Erwerb von Grundstücken, in den Handwerkszünften und Handel mit verbotenen Waren. Nur 50 Juden stellten einen Antrag zum Erwerb der Bürgerrechte, die anderen wollten abwarten, ob die Okkupanten abzögen bzw. fürchteten sich vor den anderen Einheimischen. Da die Franzosen außerdem den reicheren Juden Geld abpressten und die armen vertrieben, waren auch die Juden froh, als die Franzosen wieder abziehen mussten. 5

Aufgrund der Veränderungen in Europa zu Beginn des 18. Jahrhunderts unterblieb jedoch eine weitere Zuwanderung von Portugiesen und Spaniern, so daß die sephardischen Juden sich als Gemeinde nicht weiterentwickelten. Viele gingen nach Holland, in Hamburg verblieb nur eine kleine Restgemeinde.

Zu Beginn des 19. Jhd. machten Aschkenasen und Sepharden zusammen 5% der Bevölkerung des Stadtstaates Hamburg aus. 6

Heinrich Heine

Von 1843 verbrachte Heinrich Heine, 1997 in Düsseldorf geboren, 20 Jahre im Hause seines Onkels Salomon Heine, einem wohltätigen Bankier. Heine war ein Freigeist und ironischer Spötter, war umstritten in Hamburg. Seine Gedichte in "Deutschland — ein Wintermärchen über Hamburg sind geprägt von Inronie und Zuneigung zur Stadt. über den Jungferstieg schrieb er die Memoiren des Herrn Schnabelowopski. Er starb 1856 in Paris.

Erst 1982 wurde ein neues Heine-Denkmal auf dem Rathausmarkt eingeweiht, nachdem die Nationalsozialisten das Denkmal am Barkhof zerstört hatten.

Aufhebung des Gemeindezwanges

Bis Mitte des 19. Jhd. war den Juden der Erwerb von Grundeigentum verboten, so daß sie auch gemäss des Gemeindezwanges (Parochialprinzip) Wohn- und Geschäftsräume nur auf Zuweisung vom Staat erhielten. Das Parochialprinzip schrieb vor, daß Juden Mitglied in korporativen religiösen Verbänden sein mussten, d.h. ein Jude durfte nicht ohne religiösen Bezug sein.

Das war eine staatlichen Vorschrift. Sie entsprach auch weitestgehend der orthodoxen jüdischen Kulturauffassung, für die eine Trennung zwischen Kulturtradition und gelebter Religion unverständlich war. War man mit der religiösen Ausrichtung seiner Gemeinde nicht einverstanden, konnte man sich also allenfalls indifferent verhalten. War dies nicht möglich, musste man eine andere Gemeinde wählen und unter Aufgabe seiner Bindungen umziehen. Gleiches galt auch für die Entscheidung der Gemeinde über einen Aufnahmeantrag, wenn die Gemeinde den Antragsteller ablehnte, galt dieser als Ausländer und konnte nur versuchen eine andere Gemeinde zu finden und dorthin zu ziehen. Ansonsten blieb ihnen nur zu konvertieren. Erst mit der Aufhebung des Gemeindezwanges konnten sich die Juden frei entscheiden, ob, wo und wie sie ihre Religion leben wollten. Hamburg hatte damit die einzige deutsche jüdische Gemeinde, in der der Religionsverband auf freiwilliger Mitgliedschaft ohne gleichzeitige religiös-kultusbezogene Verpflichtung beruhte. 7

Der Verdienst des liberalen Judentums war, daß die normative und faktische Hamburger Gemeindestruktur das Entstehen einer jüdischen Orthodoxie mit sektiererischen Tendenzen verhindern konnte. Denn es gab einen tragfähigen Ausgleich zwischen gemeindlichem Anspruch auf kulturelle Identität und jüdisch-tradierter Selbstbestimmung einerseits und religiöser Eigenständigkeit und kultusbezogener Glaubensgewissheit andererseits. Das erzwang auch von den Orthodoxen ein Mindestmass an weltlicher Toleranz. 8

Die rechtliche Emanzipation 1859

Eine verfassungsrechtlich gesicherte Gleichstellung erreichten die Juden 1859/60. Die lies sich jedoch nur mit Kompromissen von beiden Seiten durchsetzen, denn erst mussten die Sonderregelungen abgebaut werden, um die verfassungsrechtliche Trennung von Staats- und Religionsbekenntnis durchzusetzen. Das betraf die Aufhebung des mosaischen Rechts für Matrimonial-, Testaments- und Erbschaftssachen und eine Anpassung an die Hamburger Verfassung. Damit wurden z.B. Mischehen endgültig rechtsgültig und Kinder aus diesen Ehen ehelich anerkannt sowie eine Gleichstellung im Zivil- und Prozessrecht erreicht. 9Die rechtliche Emanzipation verbesserte auch die Geschäfts- und Arbeitsbedingungen für Juden und festigte ihre gesellschaftlichen Positionen.

Letztendlich ging es um die Integration und damit Säkularisierung des Judentums. Der Kompromiss bestand in der Anerkennung der verfassungsrechtlichen Grundlagen des Staates, anstelle des mosaischen Rechts, durch die Juden einerseits. Andererseits wurden die Juden als Staatsbürger mit ihrer Konfession rechtlich gleichgestellt.

Es handelte sich dabei auch keineswegs um einen Zwang, sondern ist von der Juden schon lange gefordert worden. Das geht auch aus der politischen Einstellung der Juden zur damaligen Zeit hervor. 70% hatten eine national-liberale Einstellung, 19% waren fortschrittlich, 4% konservativ, 1% Zentrum/katholisch und 1% sozialistisch eingestellt. 10

Langfristig wirkte sich die Gleichstellung auch positiv auf das Verhältnis zwischen den Glaubensgemeinschaften aus. Die Anzahl der Ehen über die religiösen Verbände hinaus stieg in der Weimarer Republik an. Von 1925 bis 1933 wurden mehr Mischehen als je zuvor geschlossen, fast jede 2. Ehe mit einem/r jüdischen PartnerIn war eine Mischehe. Vor allem die Männer (13,66%; Frauen: 9,53%, 1925) waren mit Frauen anderer Konfessionen verheiratet. Während die Männer in der Gemeinde blieben, waren die Frauen jedoch immer noch nicht gleichberechtigt und wurden bei Eingehen einer Mischehe, aus der jüdischen Gemeinde ausgeschlossen. 11

Dennoch deutet gerade der hohe Anteil von Mischehen in Hamburg auf ein eher liberales Klima hin, in dem der nationalsozialistische Rassismus zwar bereits vorhanden war, aber allgemein im öffentlichen Leben bis zur Machtergreifung der Nazis keine Rolle spielte.

Die Frauenrechte in den jüdischen Gemeinden

Ab Beginn des 20. Jhd. konnten Frauen in den Gemeinden zu Mitgliedern gemeindlicher Kommissionen im Wohlfahrts- und Schulwesen gewählt werden. Der liberale Tempelverband ermöglichte den Frauen die aktive Mitgliedschaft sowie das aktive und passive Wahlrecht zum Verwaltungsausschuss der Gemeinden. Das stieß jedoch insbesondere bei den orthodoxen Vertretern auf Widerspruch, die eine grundsätzlich konservative Auffassung, ähnlich der katholischen Kirche von der Rolle der Frau hatten.

Am Kampf der deutsche Frauenbewegung für das Frauenstimmrecht und die Durchsetzung 1918 waren auch jüdische Frauen beteiligt. An der jüdischen Gemeinde ging diese verfassungsrechtliche Entwicklung insofern nicht ganz spurlos vorüber, als man 1919 in der Gemeindeverfassung den Frauen das aktive Wahlrecht zum Repräsentantenkollegium (Vorstand) zubilligte. Die Durchsetzung des passiven Wahlrechts seitens der Liberalen und Zionisten war aufgrund der ablehnenden Haltung der knappen Mehrheit der Orthodoxie nicht einführbar. 12

Ein emanzipatorischer Impuls für die Frauen kam nicht aus der jüdischen Religion. Allerdings half die Organisierung in gemeindlichen Frauengruppen den jüdischen Frauen die gesellschaftlichen Forderungen auch auf ihre Situation zu übertragen.

Die jüdischen Frauenrechtlerinnen, z. B. Sidonie Werner und Bertha Papenheim, gehörten auch zum Kreis jüdischer Intellektueller, die in der Weimarer Republik sich als jüdisch-politisch verstanden. Besonders Bertha Pappenheim setzte sich gegen die frühe Verheiratung jüdischer junger Mädchen in Osteuropa ein. Diese Scheinehen waren ein Trick von Mädchenhändlern, unter denen auch Juden waren, um ihre Opfer einzufangen. Eine einflußreiche Gruppe wollte eine öffentlichmachung verhindern, weil das der Reputation der jüdischen Gemeinde schaden und den Antisemitismus befördern würde und verlangte Zurückhaltung. Bertha Pappenheim war jedoch der Meinung, daß das Judentum sich der Komplizenschaft schuldig mache, wenn sie nicht gegen solche Verbrechen vorgingen. Auch für die Behandlung von Tabuthemen, wie uneheliche jüdische Kinder und Prostitution, setzte sie sich ein. Bertha Pappenheim übersetzte auch die Lebenserinnerungen ihrer Hamburger Vorfahrin, der Glickl von Hameln, eine der wichtigsten Erzählungen über jüdisches Leben in Hamburg und Altona um 1690. 13

Die Wohn- und Berufsstruktur

Bis Mitte der des 19. Jhd. lebten 3/4 der Juden in der Alt- und Neustadt Hamburg und in den Vorstädten St. Georg und St. Pauli. Die Ansiedlung in den hafennahen Gebieten war entstanden, weil sehr viele Juden im Handel tätig waren und die Wohnraumverteilung für Juden bis zur Aufhebung 1867 dem Gemeindezwang unterlag.

Um 1925 lebten im Hamburgischen Staat ca. 1,15 Mio Menschen, davon ca. 91,5 %, die einer christlichen Religionsgemeinschaft, ca. 1,7 % (ca. 19.000) die der jüdischen Religion und 6,8 % die anderen Religionsgemeinschaften angehörten oder Atheisten waren. 14

Stadtplann von Hamburg-Hamm um 1900Nach einer konfessionellen Berufsstatistik von 1907 war die ökonomische Grundlage der Hamburger Juden der selbständige Mittelstand in Handel und Industrie. 1925 waren viele Juden im Hamburger Bürgertum gut situierte ärzte, Kaufleute, Händler, hatten Klein- und mittlere Betriebe und führten ein religiöses Gemeindeleben.

Wenig vertreten waren Arbeiterberufe, dementsprechend gering war auch ihr Bevölkerungsanteil in den traditionellen Hamburger Arbeiterbezirken, da die Juden über Generationen schon immer eher selbständige Berufe oder Mittelstandspositionen angestrebt hatten und auch sehr stark bildungsorientiert waren.

In der Hamburger Bürgerschaft war der prozentuale Anteil jüdischer Abgeordneter höher als in jedem anderen deutschen Parlament; es gab jüdische Richter und einzelne Juden in hohen öffentlichen ämtern, wenn auch noch Anfang 1900 ein jüdischer Senator undenkbar war. 15

Bereits durch den Wiederaufbau nach der großen Hamburger Brandkatastrophe hatte sich die Wohnstruktur in der Neustadt und den Wallanlagen verändert. Mit der Industrialisierung veränderte sich auch die städtische Wohnstruktur erneut und viele Juden, die mittlerweile im Mittelstand etabliert waren, zogen in die Gebiete um den Rotherbaum, Harvestehude, Eppendorf und Eimsbüttel.

1925 lebten im Vergleich zu anderen Stadtteilen 63% aller Juden in Rotherbaum, Harvestehude und Eppendorf.

In Hamm und Horn war der Anteil der jüdischen Bevölkerung mit 348 Bürgern sehr niedrig. 16 Sie waren ärzte, Lehrerinnen, Künstlerinnen, Vertreter, Makler, Handwerker, Gewerbetreibende.

Der völkische Nationalismus als Wegbereiter des Antisemitismus

Die relative gesellschaftliche Liberalität und Toleranz in der Weimarer Republik wurde durch die Wirtschaftskrise und später durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten vollkommen zerstört.

In konservativen Kreisen galten die Juden als Anstifter des politischen Liberalismus, ihre Emanzipation als Symbol für den Untergang ihrer alten Ordnung. Mit dem Niedergang der Monarchie erstarkte in Deutschland eine Art von Nationalismus, der sich auf einen völkisch-germanischen Ursprung berief und auch in der Militärkaste und dem Bürgertum Anhänger fand.

Obwohl doch viele Juden auch im 1. Weltkrieg teilgenommen hatten, wurden sie, die SPD und Kommunisten für den verlorenen 1. Weltkrieg, den Versailler Vertrag und die schlechte Wirtschaftslage als Sündenböcke verantwortlich gemacht.

In Hamburg urteilte Senator a.D. Dr. Stubmann 1926 in einer Analyse über Antisemitismus allgemein in Hamburg wie folgt: „Traditionell war … der Antisemitismus in Hamburg immer vorhanden. Die Freie und Hansestadt hat die Emanzipation der Juden nicht früher vorgenommen, als andere deutsche Länder.” 17 Insgesamt waren Vorurteile für Juden in Hamburg jedoch kein Hinderniss sich zu integrieren und sozial aufzusteigen.

Im bürgerlichen Hamburger Kaufmannstum waren antisemitische Vorurteile schon aufgrund ihrer Geschäftsbeziehungen und auch aufgrund der häufig primitiven Vergleiche verpönt.

In Hamburg kamen die antisemitischen Vorurteile aus der völkischen Bewegung, die sich weitestgehend mit der kleinbürgerlichen Mittelstandsbewegung deckte. Sie bestand politisch in Hamburg aus den Parteien der Deutschnationalen Volkspartei DNVP und der Deutschen Volkspartei DVP und dem Interessenverband Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband (DHV). Noch 1919 weigerte sich der DHV Juden aufzunehmen. 18

Ein historischer Fleischskandal

Mitte 1919 gab es in Hamburg Unruhen, von denen sich die USPD mit einem Telegramm gegenüber der Regierung distanzierte. Sie bestritten, daß die Krawalle und Plünderungen jüdischer Geschäfte auf die organisierte Arbeiterschaft zurückzuführen sei, sondern auf die antisemitische Hetzkampagne des Deutsch-völkischen Bundes. Sie waren die Drahtzieher der antisemitischen Kampagne, in dem sie die Enthüllung eines Fleischskandals in der Heilschen Sülzefabrik nutzten, um daraus Kapital zu schlagen, daß der Fabrikant Jacob Heil angeblich Jude sei. Dieser Fabrikant hatte neben Tierhäuten, Kalbsköpfen, auch Hunde, Katzen und völlig in Fäulnis übergegangene Abfälle verarbeitet.

Später musste die völkische Presse eingestehen, falsche Aussagen gemacht zu haben, denn der Fabrikant war nicht jüdisch, sondern christlich und in seiner Heimatstadt Butzbach Mitglied einer völkischen Organisation, deren Kopf einer der führenden Antisemiten, ein Professor Werner, war. In der „Richtigstellung” der völkischen Kampfblätter hiess es, weil er doch kein Jude wäre, müsse man die ehrlose Handungssweise des Jacob Heil noch schärfer beurteilen, als Jude hätte er noch die „Entschuldigung” gehabt, so zu handeln aufgrund der Anschauungen und Gebote seiner Rasse in Bezug auf den Erwerbssinn gegenüber Nichtjuden. Die Perfidie der Argumentation bewies schon damals die Gefährlichkeit der antisemitischen Hetze, ohne Rücksicht auf Wahrheitsgehalt.

Die Gefahr wurde verharmlost, so daß nicht mal die liberale Presse die Gelegenheit nutzte, die völkische Parteizugehörigkeit des Sülzefabrikanten aufzudecken. Zu Recht beklagt wurde von jüdischer Seite die Vogelstrausspolitik der liberalen Presse gegenüber einer Aufdeckung der antijüdischen Progrompolitik der Rechten, zugunsten eines falschen Burgfriedens mit den völkischen Organisationen. Auch das Problem des Lebensmittelskandals war durch das Progrom der Rechten gegen die Juden in den Hintergrund getreten. 19

Wie Senator Stubmann über den Antisemitismus in Hamburg schrieb, waren die aktiven Träger des Antisemitismus aus der Mittelstandsbewegung der Porzellanmaler Raab,der Handlungsgehilfe Schack, die später Reichstagsabgeordnete waren, der NSDAP-Anhänger Zigarrenhändler Klant, und eine Gruppe Evangelisch-Positiver.

In der völkischen Bewegung hatte der Antisemitismus einen fruchtbaren Boden. Freizeitorganisationen, wie die Wandervereine, hatten bereits 1913 eine Zulassung von Juden in 457 Ortsgruppen verhindert. Nach dem ersten Weltkrieg waren es dann vor allem auch die bündischen Gruppen der Jugendbewegung, die sich nationalistisch und antisemitisch gaben.

In Hamburg erreichten die völkischen Parteien bei den Wahlen zur Bürgerschaft und Nationalversammlung keinen nennenswerten politischen Einfluss, nicht zuletzt aufgrund ihrer aggressiven und primitiven Hetze gegen Juden. Noch bis 1930 haben die liberalen republikanischen Kräfte die schlechten Wahlergebnissse der völkischen Parteien und NSDAP mit Erleichterung lediglich zur Kenntnis genommen.

Man „übersah” und unterschätzte völlig, daß den Rechtsextremisten selbst die militaristische DNVP und die DVP, die den Versailler Vertrag durch einen erneuten Krieges rückgängig machen wollten, nicht extrem genug war. Diese Parteien lieferten der NSDAP und SA ihre Mitglieder und verhalfen durch indirekte Wahlempfehlungen der NSDAP 1933 auch in Hamburg zum Sieg. Die Sammlungsbewegung der Rechtsextremen z.B. über die Deutschvölkische Freiheitspartei, die Deutschvölkischen Bünde hatte sich schon ab Mitte der 20 Jahre in der SA und NSDAP formiert.

Die völkische Bewegung hat die ethnisch-rassistischen Vorstellungen aufgegriffen.

Sie hatten ein biologistisches, rassistisches Weltbild vom Staat, in dem das Volk den Volkskörper bildete und die Führungselite mit dem Führer den Kopf darstellen sollte. Die Mitgliedschaft wurde aus angeblich gleicher regionaler und rassischer Abstammung (Blut und Boden Ideologie) und einer sog. rassischen überlegenheit über andere Völker hergeleitet. Menschen im Staat mit anderer politischer Meinung oder Herkunft, Religion, z.B. die Juden, als fremd = feindlich abgelehnt oder ausgegrenzt.

Ein ideologischer Kern des Rassismus, der später von der NSDAP betriebenen rassistischen-antisemitischen Propaganda, bestand schon früher. Schon zu Beginn des 20. Jhd. hatte sich die Lebensreformbewegung aufgrund der massenhaften Hungersnöte und Verelendung gegründet, sie reichten weit in die bürgerlich-humanistischen Kreise. Die wohltätigen Bewegungen kämpften gegen Verelendung und die Hungersnöte, der um die Jahrhundertwende durch die Industrialisierung vom Land in die Städte migrierten Menschen. Sie unterhielten Suppenküchen für die Armen. Die „eigene Scholle” und eine bessere und gesündere Ernährung der Hungernden waren das Ziel.

Ein Teil dieser Bewegung folgte der rückwärtsgewandten rassistischen Ideologie von Gobinaux u.a.. Sie waren der Meinung, die Industrialisierung zerstöre die menschliche Rasse und deshalb müsse sie durch bessere Ernährung und Selektion wieder gezüchtet werden.

Eine daraus entstandene Siedlungsbewegung war z.B. die Obstbaukolonie Eden. Sie sah ihre Hauptaufgabe ab den 20er Jahren in einer „völkischen Erneuerung” zur „Pflege der deutschen Wesensart”. „Die Siedler waren für sie Pioniere einer neuen Rasse, die es aufzuwerten galt.” 20

Diese völkischen Bewegung, zu der Teile der bündischen Jugendbewegung gehörten, lieferte den ideologischen überbau und die staatliche Struktur der Organisierung eines Teils des Volkes in der nationalsozialistischen Diktatur, z.B. die Hitlerjugend, der Bund deutscher Mädchen, Heimstättensiedlungsbewegung.

Mit welchen Methoden später die NS-Diktatur gegen Verelendung, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot Angebote organisierte, wurde nach Einführung der Nürnberger Gesetze deutlich. Juden verloren ihre Arbeit, ärzte, Rechtsanwälte ihre Genehmigungen, jüdische Geschäftsleute ihre Unternehmen. Nichtjuden, die mit Juden verkehrten wurden wegen Rassenschande verurteilt. Sie mussten den gelben Stern tragen, durften abends nicht ausgehen, bei Bahn oder Tram auf den hinteren Plätzen stehen, Juden mussten aus ihren Wohnungen ausziehen, nur noch in Wohnungen, deren Eigentümer Juden waren, in sog. Judenhäusern, wohnen. Ihre Wohnungen wurden an NSDAP-Parteimitglieder vergeben. Bei den Luftangriffen durften sie nicht in die Luftschutzkeller. NSDAP-Mitglieder bereichterten sich an Besitz und Vermögen der Juden.

Versuche dem Antisemitismus entgegenzutreten

Schwer fiel es den liberalen und linken Juden die eigene Verortung, denn auf sich gestellt war es schwer, dem immer lauter werdenden völkisch-deutschen Nationalismus etwas entgegenstellen zu wollen. Sie fühlten sich nicht weniger als Deutsche, als ihre nichtjüdischen Gegner. Aus Enttäuschung über das Scheitern der Integration durch die steigende Hetze wandten sich viele wieder mehr den jüdischen Traditionen zu. Auch in Hamburg kamen sie nicht daran vorbei, sich in eigenen deutschen-jüdischen Bünden zu organisieren. Die Ausgrenzung jüdischer Jugendlicher führte in Folge zur Gründung eigener Jugend- und Sportverbände. Aufgrund der Zurückweisung und Ausgrenzung schlossen sich viele jüdische Jugendliche stärker der zionistischen Idee eines eigenen Staates an.

Arie Goral-Sternheim — ein berühmter Künstler aus Hamm

Der berühmte Dichter und Maler Arie Goral-Sternheim, *1909, † 1996 hat in den 20er Jahren in Hamm gelebt und ist am Lübecker Tor zur Realschule gegangen. Später arbeitete er, um sich auf seine Auswanderung nach Palästina vorzubereiten, auf einem alternativen Bauernhof seines Onkels Max Mendel, der auch in Hamm lebte.

Arie schloss sich schon als Junge einem jüdischen Jugendverband an, der z.B. sich aktiv gegen antijüdische Ausschreitungen nach dem 1. Weltkrieg einsetzte. Nachdem das Heine-Denkmal am Barkhof von Rechten beschmiert worden ist, hatten jüdische Jugendliche eine Schutzwache organisiert. Zu einem einschneidenden Erlebnis für Arie Goral selbst wurde, als er von rechtem Pöbel auf der Moorweide grundlos zusammengeschlagen wurde, ohne daß ihm jemand zu Hilfe geeilt wäre.

1934 konnte er noch rechtzeitig über Frankreich fliehen und nach Palästina auswandern. Seine Mutter wurde 1941 von Hamburg aus nach Riga deportiert und im KZ ermordet.

Er kehrte 1955 nach Deutschland zurück und widmete sein Leben in Hamburg und Berlin als Dichter und Maler vor allem der Aufklärung über die Verbrechen des NS-Regimes und gegen den Antisemitismus.

Raum im jüdischen Museum Berlin mit Fensterteil vom DavidsternViele von ihnen gehörten damals, wie auch Arie Goral zur intellektuellen, künstlerischen jüdischen Jugend, die auch politisch dem Antisemitismus etwas entgegensetzen wollte und ein eher linkes Selbstverständnis pflegte.

Immer wieder gab es Zwischenfälle wie überfälle, Friedhofschändungen, Morddrohungen, Beschimpfungen, die die Hamburger Juden Unterstützung von den Hamburger Behörden oder Senat gegen die antisemitische Hetze fordern liessen. 1919 wandte sich der Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg besorgt über antisemitische Hetzblätter, Zettel und Morddrohungen an den Vorstand der Polizeibehörde

„…daß seines Erachtens die auch in Hamburg mehr und mehr zunehmende antisemitische Hetzerei eine Gestalt und Form angenommen hat, die das Schlimmste befürchten läßt. Die Gefahr der Verwirklichung des Zweckes und Zieles der Judenhetzerei rückt immer mehr in greifbare Nähe. Zweck und Ziel sind aber, wenn auch zunächst die Anzettelung von Judenprogromen, in weiterer Folge aber die Verhetzung der verschiedenen Volksklassen und politischen Parteien überhaupt, und die gewalttätiges Vorgehen gegen die demokratische Partei und sozialdemokratischen Parteien.”. 21

Schon sehr klar hatte der Vorstand der Gemeinde gesehen, was auf die Juden zukam.

Es gab in der den Hamburger Gemeinden Diskussionen über Abwehrmassnahmen und die Bildung von Selbstschutzvereinen. Das Reichsbanner „Schwarz Rot Gold” forderte einen Selbstschutz, der in Lage sein sollte, den Millionen antisemitischen Kräften entgegenzutreten. Die Zionisten fordern alle Gemeindemitglieder auf gegen die Hetze Aufklärung und Gegenpropaganda zu machen. Auch die jüdische Gemeinde Wandsbek nahm am 28. Oktober 1930 gegenüber dem Verband der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins u. der Hansestädte zu dieser Diskussion wie folgt Stellung:

„Nach Rücksprache mit Vorstandmitgliedern unserer Gemeinde wird die Ansicht vertreten, daß es unbedingt zu vermeiden sei, eine neue Organisation zu Abwehrkämpfen einzustellen, da eine solche vollständig nutzlos und auch undurchführbar ist.

Die von verschiedenen Seiten erhaltenen Eingaben zwecks Abwehr sind doch in der Hauptsache gegen die National-Sozialisten gerichtet. Wenn auch noch so viele Leute des Centralvereins in Gemeinschaft mit denen der Volkspartei und anderen Organisationen eingestellt werden, ist es absolut ausgeschlossen, mit dieser Einstellung irgendeinen Erfolg zu erzielen, … weil die National-Sozialisten nicht vorher angeben, wann und wo sie beabsichtigen, einen überfall vorzunehmen. Gewiss ist es bedauerlich, daß in jüngster Zeit überfälle vorgekommen sind, aber es muss doch zugegeben werden, daß es unmöglich ist, jeden Glaubensgenossen zu schützen: Abgesehen von dem … muss aber …davor gewarnt werden, die Meinung auch nur in leisester Form aufkommen zu lassen, daß wir glauben könnten, nicht unter Reichsschutz zu stehen. Dem Vorstand … ist es — ohne irgend welche Organisationen … selbstverständliche Pflicht alles zu tun, was in seinen Kräften steht, die Mitglieder der Gemeinde zu schützen.” 22

Man blieb dabei, sich auf das Recht des Schutzes durch die offiziellen Organe zu berufen, da dies in Kiel und Elmshorn auch funktioniert hat. Man sah keinen Sinn darin, der Gewalt der SA mit Gegengewalt zu begegnen, denn man betrachtete die Gewalt der SA als rechtsstaatlich illegal und hoffte, daß der Staat diese aufgrund der Gesetze schon in ihre Schranken weisen würde. Aus diesem Grund wurde die Bildung einer Abwehrorganisation abgelehnt.

In den folgenden Jahren bis 1933 machten die jüdischen Gemeinden immer wieder Eingaben an die Behörden und den Senat, diese Hetzereien zu bekämpfen bzw. die jüdischen Einrichtungen zu schützen. Der weiteren Entwicklung standen die jüdischen Gemeinden machtlos gegenüber. Wenn auch von Seiten des Senates und Polizei noch 1928 dem Bedauern Ausdruck verliehen wurde, wurden nach Aufhebung des "Radikalenerlasses" gegen die NSDAP 1932 z.B. keine Strafverfolgungen durch die Staatsanwaltschaft, trotz namentlich bekannter Täter, mehr erlassen. 23

Auch auf Sozialdemokraten und Kommunisten hatten es die Nationalsozialisten abgesehen. In den Wohnbezirken wurde die Bevölkerung durch Straßenaufmärsche, Schlägereien der SA terrorisiert , z.B. beim Altonaer Blutsonntag. 1933 wurden ihre Parteien und Vereine verboten, die Parteikassen beschlagnahmt, viele Mitglieder verhaftet und ermordet. Oppositionelle Politiker und Juden im Senat und der Beamtenschaft (ab 1936) wurden entlassen, verhaftet und ermordet.

Eine wohl entscheidende Frage war, warum es kein gemeinsames Handeln im Bündnis mit allen liberal gesinnten Kräften und linken Parteien, gegeben hat.

Die Juden hatten allenfalls vereinzelt Unterstützung. Obwohl die Links-Parteien auch Gründe gehabt hätten gemeinsam mit den Juden zu kooperieren, war die politische ideologische Kluft zu tief. Die Kommunisten hatten durch ihre antikapitalistische Ideologie antisemitische Vorurteile und Vorbehalte gegen die Religiösität der Juden. Dies galt auch für viele Sozialdemokraten.

Die Parteien haben nicht gesehen, daß die Akzeptanz und Tolerierung einer religiösen Minderheit auch eine politische Frage des Rechts auf Glaubens- und Meinungsfreiheit ist, die für beide Parteien schon lange auf dem Spiel stand. Juden, meist aus liberalen Familien und Zionisten, die sich den Linksparteien anschlossen hatten, waren eine Minderheit.

Dennoch haben sie sich gewehrt, nicht nur gegenüber dem Staat einen Schutz vor den Angriffen einzuklagen, sondern auch durch Flugblattaktionen, Prozesse, Diskussionen, Veranstaltungen. Der gemeindliche Ausschuss diskutierte in seinen Kommissionen bereits 1931 über "Körperliche Abwehr, politischen Abwehrkampf und Innere Stärkung". All das zeigt, das man nicht geneigt war,sich dem wachsenden Antisemitismus zu unterwerfen, nur hat niemand mit dem rechnen können, was die NSDAP nach der Machtergreifung machte. Die sehr politische Aufklärungsaktion des Centralverein Hamburg 1932 belegt dieses Dokument: Flugblatt der C.V. Ortsgruppe Hamburg, April 1932 (Bilddatei, etwa 500 KB). 24

Aus heutiger Sicht muss man sagen, daß ein solches Bündnis in den 20er Jahren vielleicht eine weitere Eskalation der antisemitischen Hetze und auch Zerstörung der linken Parteien hätte verhindern können. Die Parteien waren jedoch nicht in der Lage ihre monolithischen Blockpositionen zugunsten eines gemeinsamen Kampfes für die eigenen Freiheitsrechte in der Republik zu modifzieren. Zu übermächtig schien die Bedrohung der eigenen Existenzen durch die Kriegsgefahr, ein Bündnis mit einer religiösen Minderheit schien dem untergeordnet. Die Unterordnung der Kommunisten unter die Sowjetunion war ein weiterer entscheidender Faktor, der eine gemeinsame Verteidigung der demokratischen Rechte mit der SPD aus Sektierertum ablehnte.

1933 lebten in Hamburg noch ca. 17000, in Altona ca. 200 und Wandsbek, Harburg ca. 200 Juden. Schon ab 1938 sind aus Hamburg, nach der sog. Reichskristallnacht, dem Progrom gegen jüdische Geschäfteinhaber, systematisch Juden in Ghettos Litzmannstadt und Riga verschleppt worden, ab 1941 waren nicht mehr viele Juden da. Viele hatten sich dem gewachsenen Druck der nationalsozialistischen antisemitischen Propaganda auch durch Auswanderung entzogen.

Ende 1940 waren noch ca. 8000 Juden in ganz Hamburg zurückgeblieben. über 7000 Hamburger Juden wurden ab 1941 von der Moorweidenstraße 36, dem Haus der Provinzialloge, wo sich die Menschen einfinden mussten, nach Lodz, Riga und Minsk deportiert. Auch von den ca. 1000 Hamburger Juden, die ins europäische Ausland geflüchtet waren, ereilte viele das gleiche Schicksal nach dem Einmarsch deutscher Truppen in diese Staaten. 25

Die Nationalsozialisten zerschlugen nicht nur die politische Opposition im Land, sondern dehnten den mit der Wannsee-Konferenz industriell geplanten Holocaust gegen Juden auch auf andere Minderheiten z.B. ethnische Gruppen der Sinti, Roma Homosexuelle und bis zur Euthansie Behinderter, auf Europa aus. über 6 Mio. Juden, politische Gefangene, Minderheiten mussten ihr Leben lassen. Darüberhinaus hat der von den Nationalsozialisten angezettelte 2. Weltkrieg insgesamt an die 30 Millionen Tote, zerstörte Länder und Vertreibungen gebracht.

Rückkehr der Juden in die Bundesrepublik

Es bedurfte großen Mutes und Zuversicht seitens der überlebt habenden Juden sich nach Ende des Krieges wieder in Deutschland anzusiedeln. Nach 1945 zählte die erste hamburger jüdische Gemeinde knapp 940 Mitglieder. 1979 lag die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinde in Hamburg bei rund 1300 Mitgliedern. 26

Seitdem ist die Zahl der in Deutschland lebenden Juden langsam, aber stetig angestiegen. Inzwischen im Jahr 2007 etablieren sich in allen großen Städten auch wieder jüdische Gemeinden mit eigenen kulturellen Aktivitäten und Institutionen.

Quellen:

1 Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 1; Lorenz, Ina; Christians Verlag, Hamburg 1987, Kap. II, XVII

2 Jüdisches Städtebild Hamburg; Hrsg. Hirsch, Erika u. Sparr, Thomas; Jüdischer Verlag, Ffm, 1999, S.12f

3 vgl. ebd. S. 10f

4 Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 1; Lorenz, Ina; Hamburg 1987, Kap. V, XLIII

5 vgl. Jüdisches Städtebild Hamburg; Hrsg. Hirsch, Erika u. Sparr, Thomas; Ffm, 1999, ebda., S. 11

6 vgl. ebd., Kap. II, XVIII

7 vgl. ebd., Kap. II, XIX

8 vgl. ebd., Kap.II, LVIII

9 vgl. ebd., Kap.II, XXII

10 vgl. ebd., Kap. II, XXV u. LXXIX

11 vgl. ebd., Kap. II, LIII

12 vgl. Jacob Toury, die politische Orientierungen der Juden in Deutschland von Jena bis Weimar, Tübigen 1966, S. 138 Anm. 81

13 Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 2, Lorenz, Ina, Christians Verlag, Hamburg 1987, S. 840ff

14 Jüdisches Städtebild Hamburg Hrsg. Hirsch, Erika u. Sparr, Thomas, Jüdischer Verlag, Ffm, 1999, S.33f

15 Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 1, Lorenz, Ina, Hamburg 1987

16 Jüdisches Städtebild Hamburg Hrsg. Hirsch, Erika u. Sparr, Thomas, Ffm, 1999, S. 27

17 Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 1, Lorenz, Ina, Hamburg 1987, S. 34

5 Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 2, Lorenz, Ina, Hamburg 1987, S.1021f, Dok. Nr. 14

19 s. ebd., S.1011ff

20 s. Geschichte der Juden in Hamburg, Altona und Wandsbek, Hamburg 1982, S. 46

21 s. Die Geschichte alternativer Projekte von 1800 bis 1975 Hrsg. J. Peters, S. 98

22 Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 2, Lorenz, Ina, Hamburg 1987, S.1006f, Dok. Nr. 3

23 s. ebd., S.1043f, Dok. Nr. 32

24 s. Die Juden in Hamburg zur Zeit der Weimarer Republik Bd. 1 Lorenz, Ina, Hamburg 1987, S.24ff

25 Der jüdische Abwehrkampf Paucker, A., Leibniz Verlag, Hamburg 1968, S. 206ff, Flugblatt der C.-V.-Ortsgruppe Hamburg 1932 (26)s. "Jüdisches Städtebild Hamburg" Hrsg. Hirsch, Erika u. Sparr, Thomas, Ffm, 1999, S.46

26 s. Geschichte der Juden in Hamburg, Altona und Wandsbek, Hamburg 1982, S. 50

Links zu historischen Themen:

Wikipedia — Geschichte der Juden in Deutschland

Wikipedia — Antisemitismus

Buchempfehlungen:

„Jüdisches Städtebild Hamburg”

Hrsg. Hirsch, Erika und Sparr, Thomas, Jüdischer Verlag, Ffm. 1999 Buchhandlung Seitenweise Hammer Steindamm 52, 20535 Hamburg

„Die Last zu Schweigen”

Bar-On, Dan, edition koerber-stiftung 2001

Ein israelischer Professor für Psychologe, der jahrelang Holocaustopfer betreut hat, interviewt Kinder von hochrangigen NS-Tätern. Ein Basiswerk der politischen wie psychologischen Verständigungs-Literatur. Aktuell und beispielgebend sind auch die wertvollen Einblicke in seine Dialog-Arbeit im Kontext aktueller politischer Konflikte.

Autobiografien

„Das Mädchen im roten Mantel”

Ligocka, Roma, Droemer Verlag, 2000

Autobiografie einer Künstlerin, Cousine von Roman Polanski u.a. über ihre bitteren Erfahrungen als kleines jüdisches Mädchen im Krakauer Ghetto, Versteck u. auf der Flucht vor Nazis und vor Stalinismus und Antisemitismus im sozialistischen Polen.

„Nicht alle waren Täter”

Degen, Michael, Econ Verlag 1999

Autobiografie des bekannten Film- u. Fernsehschauspielers über seine Kindheitserfahrungen als Jude von Schrecken, Flucht und Versteck im Nationalsozialismus

Stadtteilinitiative Hamm für Freizeit und Kulture.V. — Impressum

Als gemeinnützig anerkannt, Träger der freien Jugendhilfe, Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband

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